Aufgang zur Klause Kirchenpfleger Georg Schwaiger bei seinem Vortrag
 

Vom Schuster zum Eremiten

Ein Stück Heimatgeschichte präsentiert von Kirchenpfleger  Georg Schwaiger

Bericht über einen Heiligmäßigen Eremiten der das kirchliche Leben im vorigen Jahrhundert in unserer Gegend maßgeblich geprägt hat und dessen unverwesten Hände auch heute noch in der Kirche Altheim zu sehen sind.

Nachdem der Eremit Sabbas jahrelang in den Pfarreien Graßlfing und Grafentraubach gewohnt hat und hier auch als Mesner tätig war, ist das Interesse seitens der Zuhörer sehr groß gewesen, die genauen Hintergründe seines Wirkens zu erfahren.  Georg Schwaiger, berichtete in Auszügen (Originalbericht v. Gerhard Martin) aus dem Leben des Eremiten.

Hr. Johann Michel wurde 1834 in Lanzendorf  Oberfranken geboren. Seine Kindheit verbrachte er dort. Da seine Eltern und die Gemeinde evangelisch waren, wurde Johann protestantisch  erzogen. Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf  Schuster in seinem Heimatdorf. Als Schustergeselle ging Hr. Michel auf Wanderschaft und kam gegen 1852 nach Geiselhöring zur Schuhmachermeisterfamilie Erdl. Weil sein Fleiß und seine Arbeitsmoral sehr groß waren, gab es in den 11 Jahren seines Wirken in Geiselhöring keine Klagen. Bei einem Besuch des Eremiten Benedikt Kainz in Haindling erfuhr er von dem Einsiedlerleben und begann sich dafür zu interessieren.  Der Wunsch als katholischer Einsiedler zu leben lies in nicht mehr los und nach langem hin und her stellte sich Johann Michel am 13. Oktober 1864 in Frauenbründl beim Altvater der Eremiten Fr. Anton Ammer vor und bat um die Aufnahme als Eremit. Dieser schickte ihn als Eremitenaspirant auf die Klause Obergraßlfing in der Pfarrei Grafentraubach. Über ein Jahr wirkte er dann dort als Mesner in der Wallfahrtskirche zur allgemeinen Zufriedenheit des Herrn Pfarrers Maximilian Reiser von Grafentraubach. Aufgrund von Empfehlungsschreiben genehmigte das Bischöfliche Ordinariat die Aufnahme des Johann Michel in das Noviziat der Eremitenverbrüderung am 12.01.1866 Das Noviziat wurde gewöhnlich im Mutterhaus in Frauenbründl bei Bad Abbach abgeleistet. Dort nahm er an den geistlichen Übungen der Mitbrüder teil, übte sich ein Jahr in Gehorsam und Stillschweigen und lernte alles, was zur Ausübung seines neuen Berufes nötig war.  Und der Novizenmeister stellt ihm folgendes Zeugnis aus:  "Johann Michel hat gute Kenntnisse, besonders ein gutes Gedächtnis, ist fleißig, folgsam, hat guten Willen, in seinem Handwerk langsam; er braucht das Mahnen. Wenn er allein ist, vergisst er sich leicht; arbeiten tut er alles, was man ihm sagt. Wenn er allein ist, kommt er schwer in Ordnung und Reinlichkeit; sittliches Betragen ist musterhaft“.  

Nach dreijährigem Warten kam der ersehnte Tag der Bekleidung mit dem Ordensskapulier und der Aufnahme in die Eremitenverbrüderung durch Ablegung der ewigen Ordensgelübde. Drei Tage lang bereitete sich der Novize durch Schweigeexerzitien vom 15. bis 19. Juli 1867 auf diesen Tag vor. Am letzten Tag, dem 19. Juli wurde dann Johann Michel während des Gottesdienstes in Gegenwart der versammelten Eremiten feierlich als Profess in die Verbrüderung aufgenommen. Bei der Einkleidung erhielt Johann Michel den in der Verbrüderung selten vorkommenden Namen "Sabbas".  Als Kleidung trägt er von nun an einen Habil, Skapulier mit Kapuze, einen weißen Strick als Gürtel, Sandalen oder Schuhe und Rosenkranz mit Holzkreuz.

Wie im Herbst 1864 wandert nun Frater Sabbas in diese seine "liebe" Klause Obergraßlfing, wo er bereits über ein Jahr als Mesner tätig war. Obergraßlfing ist ein kleiner Ort fünf Kilometer von Grafentraubach entfernt, das zwischen Mallersdorf und Geiselhöring im Tal der  kleinen Laaber liegt. Die "Chronik von Grafentraubach-Graßlfing" weiß zu berichten: "Auch in Graßlfing hören wir von Eremiten, aber erst Mitte des vorigen Jahrhunderts. Nach einer Matrikel von 1863 wohnte damals in dem Kirchenanbau ein Klausner als Mesnergehilfe für den Lehrer von Allkofen." Die Klausner hatten dort die freie Wohnung und die Nutznießung des Gärtleins am Eingang zur Klause. Ihre Aufgabe waren die Mesnerei an der Filialkirche, die Aufsicht über dieselbe, die Besorgung des Läutens und der Turmuhr, sowie Reinigung und Schließung der Kirche. Dafür erhielten sie jährlich 70 Gulden aus der Kirchenkasse. Mesnerverrichtungen und der Ertrag aus dem Garten warfen weitere 20 Gulden ab. Das zum Lebensunterhalt Fehlende ersetzten milde Gaben der Filialangehörigen und bei Frater Sabbas das Schusterhandwerk. Frater Sabbas blieb auch in Obergraßlfing mit der Schuhmacherfamilie Erdl in Verbindung. Wie Karl Erdl berichtete, kam er öfter auf Besuch und brachte seiner Mutter schmutzige und zerrissene Wäsche mit und bat sie, dieselbe wieder in Ordnung zu bringen. "Ich bete dafür", war sein Dank.

Im Laufe der Jahre wurde in Obergraßlfing ein neues Schulhaus gebaut und ein Volksschullehrer angestellt, der zugleich auch die Obliegenheiten der Mesnerei übernahm, so dass ein eigener Einsiedler überflüssig wurde. "Infolge des Schulhausneubaues wurde der schöne Obst- und Gemüsegarten des Einsiedlers als Bauplatz benötigt. So erfolgte nach 15-jährigem höchst segensreichem Wirken in der Gemeinde Obergraßlfing zum größten Leidwesen der ganzen Gemeinde der Wegzug des Fraters im Jahre 1883 nach Grafentraubach.

Sein Seelsorger Pfarrer Philipp Pröhuber schrieb 1880: "Frater Sabbas führt ein den Regeln konformes Leben, versieht zur allgemeinen Zufriedenheit den Kirchen- und Mesnerdienst, kommt wöchentlich zur Beicht und Kommunion nach Grafentraubach, oft bei schlechtestem Wetter." Welch ein großes Opfer Frater Sabbas besonders im Winter brachte, versteht man erst, wenn man diesen Weg kennt. Von Obergraßlfing bis Grafentraubach sind ca. 5 km, das bedeutet einen Fußweg von einer guten Stunde. Der erste Teil des Weges führt durch einen Wald, der ein wenig Sturm und Regen aufzuhalten vermag. Der größte Teil der Strecke geht aber durch offenes Gelände, so dass Sabbas kaum Schutz bei schlechtem Wetter finden konnte. So geschah es manchmal, dass er völlig durchnässt und halb erfroren im Winter in die eiskalte Grafentraubacher Kirche kam. Sabbas Michel war der letzte Einsiedler in Obergraßlfing.

Mitbestimmend für das geistliche Leben des Eremiten Frater Sabbas waren die drei Pfarrherren aus Grafentraubach. Pfarrer Philipp Pröhuber, Pfarrer Maximilian Reiser  und schließlich Pfarrer Alois Steghammer. In der Zeit von 1850 - 59 ließ Pfarrer Pröhuber alle Kirchen seiner Pfarrei renovieren, so auch Graßlfing. Zur Pfarrei gehörten die Orte: Obergraßlfing, Dürnhettenbach und Steinkirchen. In Grafentraubach wurde 1881 das so genannte Vitztumhäusl Hs. Nr. 7 angekauft zur Erweiterung des Friedhofes und im Hinblick auf den wünschenswerten Kirchenbau." 1883 erklärte der Gemeinde-Ausschuss, "dass die Übersiedlung des Eremiten Sabbas Michel sehr erwünscht sei." Der Grund für die Übersiedlung war die Entlastung des Lehrers Auer, der damals neben dem Schuldienst auch die Mesnerei versehen musste. So hatte Frater Sabbas nun neben dem Mesnerdienst in Obergraßlfing auch die VizemesnersteIle in Grafentraubach zu versehen. Die alte, feuchte Kirche in Grafentraubach war zu klein geworden, und es wäre Aufgabe des Pfarrers Reiser gewesen, eine neue zu bauen; doch er konnte nur die Vorarbeiten übernehmen.

Am 15. Juni 1895 wurde Pfarrer Alois Steghammer auf der Pfarrei Grafentraubach installiert. Mit ihm kam ein energischer, temperamentvoller und manchmal heftiger Herr in die Pfarrei. Er nahm sofort den Bau der Pfarrkirche und des Pfarrhofes in die Hand. Es ist verständlich, dass er mit dem stillen, demütigen, aber stets freundlichen Frater, der ihm alles zu langsam machte, nicht immer zufrieden war und es darum zu häufigen Missverständnissen kommen musste. Während des Kirchenbaues besuchten die Pfarrkinder den Sonntagsgottesdienst in der Wallfahrtskirche Obergraßlfing, wo doch auch die Vizemesnerei Frater Sabbas oblag.   Er musste an den Sonntagen viel früher als der Geistliche seine Vorbereitungen beginnen und den langen Weg sehr früh antreten. Diese Übergangszeit dauerte fast zwei Jahre." Die Familie Auer bekundete: "In den Wintermonaten war Sabbas täglich bei uns, um sich zu wärmen; denn er hatte wenig Brennmaterial; dabei hat er aber den Rosenkranz gebetet und gelesen.“ Ein anderer Zeuge für diese Zeit ist auch der Hilfsmesner Hebensperger. Dieser bezeugt im Jahre 1934: "Frater Sabbas war vor allem ein ganzer Einsiedler. Er war nur zu treffen und zu sehen in seiner Zelle, in seinem Garten und in der Kirche. Sonst sah man ihn nur, wenn er ausnahmsweise einen Gang zu machen hatte, und das war selten.“ Die Stadlerbäuerin aus dem nahe liegenden Arnkofen brachte des Öfteren Lebensmittel für Frater Sabbas.

Im Jahre 1897 wurde die Spannung zwischen Pfarrer und Einsiedler unerträglich, so dass der Präses an einen Personenwechsel denken musste. Das Bischöfliche Ordinariat genehmigte die Versetzung am 03.09.1897. Der Abschied von Grafentraubach war für beide Seiten unangenehm. Das letzte Wort in diesem Grafentraubacher Kapitel soll noch einmal Hilfsmesner Hebensperger haben: " Frater Sabbas erfreute sich bei der ganzen Gemeinde Grafentraubach großer Hochachtung. Jedermann ehrte und achtete den Frater und hielt große Stücke auf ihn. Das erkannte man am besten, als er versetzt war und ein anderer Einsiedler hier herkam.

Die Klause St. Andrä bei Altheim bestand schon vor dem Jahr 1700. Hier in Altheim sollte also Fr. Sabbas nun bleiben bis zu seinem letzten Lebenstage. Er stand bereits im 63. Lebensjahr, und es stellten sich die Altersbeschwerden und Krankheiten ein.   Am Kirchweihmontag, dem 20. Oktober 1913, schickte Frau Spitzauer von Altheim Essen durch zwei ihrer Kinder zu Frater Sabbas. Als die Kinder in die Klause kamen, fanden sie ihn tot neben dem Ofen am Boden liegend. Es ist also nicht zu zweifeln, dass ein Schlaganfall dem Leben des guten Fr. Sabbas ein jähes Ende bereitet hat. Bei der Aufbahrung hat man ihm dann die Hände gefaltet und das ziemlich große Sterbekreuz dazwischen gesteckt, wie es auf dem Lande Brauch ist. Am Mittwoch darauf, dem 22.10.1913, wurde Fr. Sabbas auf dem Friedhof Altheim beerdigt. „Frater Sabbas galt auch in Altheim nach Aussage alter Leute, die ihn noch kannten“, „als frommer Mann - er war ein guter, frommer Frater.

Am 4. Dezember 1933 wurde sein Grab geöffnet, um einen seiner Nachfolger, Frater Meinrad, aufzunehmen, der auf dem Wege zur Kirche an Herzlähmung gestorben war. Da fand man den Leichnam von Frater Sabbas verwest. Aber seine beiden Hände, die jetzt noch das Sterbekreuz umklammern, unverwest...

Das Leben des Eremiten war heiligmäßig, weshalb er hier in großen Ehren steht. Die beiden Hände mit Kreuz befinden sich jetzt in einer Glasurne in der Pfarrkirche zu Altheim.

 Auffindung der Hände

20 Jahre waren vergangen, seitdem der Leichnam des Frater Sabbas ins Grab gesenkt worden war. Da starb am 3. Dezember 1933 sein 2. Nachfolger auf der Klause St. Andrä-Altheim, Frater Meinrad Greiner.  Als sein Ruheplatz wurde das Eremitengrab bestimmt, in dem auch Frater Sabbas 1913 beigesetzt worden war.
Als nun der Totengräber das Grab aushob und den Sarg öffnete, zeigte es sich, dass der rper des Fr. Sabbas vollständig verwest war, dagegen das Knochengerüst der beiden gefalteten nde, auch die Fingernägel, bis ins kleinste erhalten waren und das ziemlich große und sehr gut erhaltene Sterbekreuz noch umklammerten. - Die beiden Hände mit dem Sterbekreuz, die auch an der frischen Luft nicht zerfielen, brachte der Totengber in den Pfarrhof , wo sie vorläufig in einem Zimmer aufbewahrt wurden.

Kooperator Sebastian Pitzl machte davon eine fotografische Aufnahme. Präses Reitmeier berichtet unterm 6. Dezember 1933, nachdem er sich persönlich von dem Sachverhalt überzeugt hatte, an das Bischöfliche Ordinariat Regensburg von der merkwürdigen Erhaltung der Hände des Frater Sabbas.

Bischof Buchberger sprach den Wunsch aus, Pfarrer Greisinger, Altheim, möge persönlich zu ihm kommen zur Berichterstattung und die angefertigte Fotografie dernde mitbringen. Daraufhin ordnete Exzellenz an, dass die Hände des Fr .. Sabbas gefasst werden sollten, welchen Auftrag die Eremitenverbrüderung durch
kun
stfertige Hände von Regensburger Klosterfrauen vollziehen ließ. Die beiden gefassten nde mit dem umklammerten Kreuz sind nun in der Pfarrkirche Altheim in einer Mauernische auf der Frauenseite in würdiger Weise untergebracht.

Bis zur Kirchenrestauration im Jahre 1939 branntenhrend des Gottesdienstes meistens eine oder zwei (geopferte) Kerzen neben der Nische. Auch das Vertrauen des gläubigen Volkes zur Fürbitte des frommen Frater Sabbas zeigte sich in drei Tafeln neben den gefassten nden als Ausdruck des Dankes für Gebetserhörungen.

Auch diese sind seit der Kirchenrestaurierung verschwunden, sollen aber jetzt wieder ihren Platz erhalten.